Es ist wohl wieder an der Zeit, unser Tagebuch auf den neusten Stand zu bringen. Fotos konntet ihr ja bereits sehen, aber der letzte Eintrag im Reisetagebuch ist ja schon über eine halbe Woche alt und wir haben doch schon wieder einiges erlebt seit damals...
Am Dienstag zum Beispiel, haben wir am
Nachmittag eine Ausfahrt mit Lutz unternommen. Als fleissige
Reisetagebuchleser wisst ihr, dass hier in der Nähe die
Edorasszenen für Lord of the Rings II gedreht wurden.
Als Filmfans konnten wir es natürlich kaum erwarten, selber
einmal dorthin zu fahren. So packten wir also den Fotoapparat und
Lisa und Alex in den Lutz und fuhren los. Bis zu einem Fleckchen
Namens Hakatere (Ortschaft wäre für die paar Baracken
wohl etwas übertrieben...) war die Strasse noch in Ordnung,
aber von da an (also für gut die Hälfte unserer Reise)
war nur noch Kiesel angesagt - eine gute Chance um Lutz auf seine
Belastbarkeit zu testen. Die Landschaft (Schneeberge und weite
Ebenen) war wirklich schön, aber Mount Sunday/ Edoras war
vielleicht etwas spektakulärer im Film.
Wahrscheinlich, weil wir den kleinen, gletschergeschliffenen
Hügel nur von weitem sahen und weil es auch wetterbedingt
etwas dunkel war. Wir werden aber noch einmal hinfahren, um dann
auch noch dorthin zu wandern (Fabi, als der noch grössere
Filmfan, muss das doch auch sehen!). Aber die ganze Ebene mit dem
"braided river" (wie die Flüsse hier heissen, die
sich mit vielen Windungen und Verzweigungen durch ein breites
Flussbett schlängeln) war schon recht eindrücklich. Es
ist kaum zu glauben, wie viel Platz hier alles hat... Bis zum
Umkehrpunkt hat Lutz alles schön brav mitgemacht. Zum
Glück, denn ausser uns und ein paar Schafscherer war weit
und breit niemand. Nachher hatten wir jedoch einige
Schreckmomente. Zum Beispiel, als Lutz plötzlich abstellte
oder als plötzlich ein, zwei Lämpchen leuchteten, die
uns vorher nie aufgefallen waren... aber Lutz hat uns nur einige
kleine Streiche gespielt: er scheint sich nun wieder von allen
Anstrengungen erholt zu haben und ist wieder ganz der Alte (im
wahrsten Sinne des Wortes ;-). Auf dem Rückweg machten wir
dann noch am Lake Clearwater halt. Dieser See ist bekannt
für Freizeitaktivitäten wie Fischen, Segeln und
Windsurfen. Zu dieser Jahreszeit war die Ortschaft aber bis auf
ein paar wenige spielende Kinder ausgestorben - es war schon fast
etwas unheimlich.
Am Freitag wollten wir nach Mount Hutt um Ski und Snowboard zu fahren. Das Wetter machte uns aber leider einen Strich durch die Rechnung. Wegen zu starkem Wind war das Skigebiet wie schon am Tag zuvor geschlossen. Kein Wunder kennt man Mount Hutt auch als "Mount Shut"... Unser Alternativprogramm bestand aus einem Sightseeing Ausflug nach Christchurch. Mit Nicole als Fahrerin kamen wir jedoch nicht sehr weit. Sie zog es vor, den Lutz auf einem kleinen Gärtchen auf dem Campingplatzparkplatz zu platzieren, anstatt ihn auf die Strasse zu führen. Um ihn von seiner misslichen Lage zu befreien, mussten sowohl Leora wie auch Nicole stossen, während es Didi vorzog, während des restlichen Tages selber zu fahren. Leider haben wir kein Foto gemacht, aber es sah recht witzig aus, wie der Lutz so dastand, mit einem kleinen Gärtchen zwischen den Vorder- und Hinterrädern. Nicole fand es allerdings nicht ganz so witzig, denn das Rohr, das zum Abwassertank führt und auch das Gärtchen haben leider etwas gelitten. Dave hat ihr aber ganz nett versprochen, dass wir das flicken würden, man müsse nur ein tiefes Loch graben, es sei allerdings nicht er selber, der das Loch grabe...
Mit Didi als Fahrer schafften wir es dann doch noch, vom Campingplatz wegzukommen und die wunderschöne Inland Scenic Route nach Christchurch in Angriff zu nehmen. In Christchurch gönnten wir uns erst mal eine Tasse Tee und schlenderten dann gemütlich zum Cathedral Square. Das ist das touristische Zentrum der Stadt, im Moment sieht man vor allem Leute asiatischer Herkunft. Schweizer Touristen scheint es jedoch auch viele zu haben, denn bei der Bank am Platze ist neben US und Australischen Dollar, Pfund, Euro und Yen noch der Wechselkurs zum Schweizer Franken angegeben. Der Bankautomat hatte dann aber trotzdem Probleme mit Didis Mastercard und wir haben schon geglaubt, er wolle sie nicht mehr herausspucken...
Nachdem Ski fahren gestrichen war, nahmen wir
uns als Tagesziel für Freitag das Auftreiben der Kassetten
zu unserem Cambridge Proficiency Schulbuch vor. Wir haben uns
nämlich für die Proficiency- Prüfung im Dezember
angemeldet und hoffen, das im Selbststudium zu erreichen. Aber
eben, die Kassetten fehlen uns für die "Listening
Comprehensions".
So begannen wir also (nach einem wirklich schrecklichen
Mittagessen bei Kentucky Fried Chicken) die Bücherläden
Christchurchs mehr oder weniger systematisch abzuklappern und
wurden von einem zum andern geschickt - erfolglos. Dafür
fanden wir einige herzige Secondhand Bücherläden und
das eine oder andere Buch, das wir sonst nicht gekauft
hätten. So gaben wir dann halt schliesslich die Suche auf
und gingen, um noch etwas touristisches zu machen, ins
örtliche Aquarium. Dort gibt es allerlei heimische und
eingeführte Fische und zwei Kiwis zu sehen. Wir hatten
Glück, wir waren gerade zu der Zeit da, als die Meeresfische
(Sprich Haie und andere grosse Fische und Rochen) gefüttert
wurden. Dazu ging tatsächlich ein Wärter im Tauchanzug
ins Wasser und verfütterte etwas das wie dicke Spaghetti
aussah. Das Ganze hat man jedoch schnell einmal gesehen, denn
vielmehr als einfach so ein Futterding zu schnappen und
verspeisen tun die Fische nämlich nicht. So gingen wir dann
bald einmal zum Besammlungsplatz der Kiwibesichtigungstour
hinüber: die Kiwis darf man nämlich nicht
unbeaufsichtigt bestaunen. Auch gibt es weitere strenge Regeln,
die man beachten muss, wenn man diese raren Vögel sehen
will, wie zum Beispiel nicht reden, nicht fotografieren und nicht
an die Scheibe klopfen. So kam es also, dass wir zum ersten Mal
lebendige Kiwis sahen, bzw. erahnten. Da Kiwis nämlich
nachtaktiv sind, war das ganze Terrarium dunkel und man sah
eigentlich nur die Silhouetten der Vögel. So dauerte auch
der Besuch der Kiwis nicht lange und wir machten uns auf den Weg
zum Lutz zurück. Unterwegs fanden wir noch ein
Internetcafé, wo wir unsere Kassettensuche dann noch etwas
fortsetzten; wir dachten nämlich, dass wir die Kassetten ja
auch über einen Onlinebookshop bestellen können. Das
ist in Neuseeland jedoch leichter gesagt, als getan. Die Kiwis
scheinen das Onlineshopen noch nicht entdeckt zu haben und alle
Onlinebookshops, die unsere Kassetten verkauften, waren in den
USA beheimatet (es gibt hier nicht mal einen eigenen Amazon...)
Wir fanden jedoch noch eine Telefonnummer, die man in Neuseeland
anrufen kann, um Artikel der Cambridge University Press zu
bestellen. Didi sprach mit einem netten Fräulein am Telefon
und versuchte ihr erst einmal klarzumachen, was wir wollen, dann
seine Kreditkartenangaben durchzugeben und schliesslich noch
unsere Adresse zu übermitteln. Jede Angabe wiederholte er
mindestens zweimal, und wir wären echt überrascht, wenn
wir in einigen Tagen das gewünschte Produkt auch wirklich im
Briefkasten hätten. Ob wir unser Tagesziel also auch
wirklich erreicht haben, werden erst die nächsten Wochen
zeigen...