Hans behielt recht, und wir schafften es am
Freitagmorgen tatsächlich, all unser Gepäck in den Lutz
zu packen, so dass wir schliesslich allen auf Wiedersehen sagen
mussten und Richtung Christchurch losfuhren. Nach diesen
dreieinhalb Monaten waren wir schon etwas traurig, von Mount
Somers wegzugehen, aber natürlich freuten wir uns extrem
darauf, mit unseren Eltern endlich auch den Rest von Neuseeland
entdecken zu können. Da unsere Eltern in einem Camper
herumreisen würden, luden wir unsere Eltern bei der
Kea-Camper Vermietung in Christchurch ab, während wir uns
auf den Weg zum Cathedral Square machten, wo wir mit Philipa
Burney abgemacht hatten. Pip war im selben Jahr wie Nicole in
Cleveland im Austauschjahr und ist aus Christchurch. Eigentlich
wohnt sie im Moment in London, hielt sich aber gerade für
den Besuch zweier Hochzeiten in Neuseeland auf. Weil sie am
selben Nachmittag nach New Plymouth an eine der Hochzeiten
fliegen musste, konnten wir sie leider nur zum Mittagessen
treffen. Aber es war sowieso super, dass wir sie überhaupt
treffen konnten und Nicole freute sich extrem, wieder einmal mit
ihr plaudern und Neuigkeiten austauschen zu können. Nachher
fuhren wir nach Waikari, wo unsere Eltern bereits bei Urs Fricker
auf uns warteten. Urs und seine Familie sind aus Auenstein nach
Neuseeland ausgewandert, so wollten wir ihn natürlich
besuchen gehen (der Rest der Familie weilte zu dem Zeitpunkt in
der Schweiz). Sein Haus, das er selber gebaut hatte, ist extrem
schön, sehr geräumig und man hat eine prächtige
Aussicht. Das Grundstück ist riesig und bietet genug Platz
für seine Schreinerei-Werkstatt, zwei Pferde und ein Dutzend
Alpacas, die es uns natürlich angetan hatten. Urs kochte uns
und zwei Kolleginnen, die auch bei ihm zu Besuch waren, supergute
Spaghetti Bolognese. Wir schliefen an diesem Abend zum ersten Mal
im Lutz, was sich als sehr bequem herausstellte.
Am anderen Morgen, nach einem reichhaltigen und
superguten Frühstück mit richtigen Brötli (von Urs
selbstgebacken), inspizierte Urs noch unseren Lutz. Er stellte
fest, dass wir dringend Kühlwasser und Öl
benötigen und füllte uns das gleich nach. Als dann der
Lutz wieder fit war, fuhren wir los über den Lewis Pass gen
Westen, denn die Wetterprognose für die Westküste war
gerade gut, was angeblich eher selten ist. Unser erster Stopp war
bei der Waiau Ferry Bridge, die nach Hanmer Springs führt.
Wir waren schon einmal hier gewesen, und auch dieses Mal setzte
Nicole keinen Schritt auf die Brücke, denn durch das
schräge Geländer sieht man direkt in die tiefe Schlucht
hinunter. Hanmer Springs liessen wir rechts liegen und hielten
dafür in Maruia Springs zum Mittagshalt; zum Baden in den
Thermalquellen war es jedoch ein bisschen zu heiss. Kurz vor
Reefton besuchten wir dann in Black Point ein
Goldgräber-Museum. Das Museum ist in einer alten
Methodistenkapelle untergebracht und zeigt einfach alles, was
auch nur entfernt ausstellenswert wäre. So findet man neben
einem Modell der örtlichen Goldstampfe, einer alten
Telefonzentrale, alten Chirurgeninstrumenten und Münzen aus
aller Welt (auch einige schweizer Münzen) auch einige
ausgestopfte Tiere und etliche Militärmedaillen. Ein netter
Herr führte uns sogar das Goldstampfen-modell vor und
erzählte uns auch sonst noch einiges über die
Geschichte des Dorfes und des Museums. Nachher führte er uns
sogar noch die richtige Goldstampfe vor, die etwas oberhalb des
Museums in einem Schuppen untergebracht ist und mit der
früher einmal grosse Gesteinsbrocken zerstampft wurden, um
darin noch mehr Gold freizulegen. Nach diesem wirklich
interessanten Zwischenhalt fuhren wir dann durch den unteren Teil
der sehr malerischen Buller Gorge nach Westport, wo wir auf dem
Seal Colony Top 10 Tourist Park im Örtchen Carter's
Beach ein Plätzchen reserviert hatten. Nach einem
ausgezeichneten Znacht, das zur Hauptsache aus einem guten
Stück Fleisch bestand, fuhren wir nochmals alle mit dem Lutz
los zum Cape Foulwind. Kaum dort angekommen, sahen wir schon
unsere ersten Wekas. Von diesen Laufvögeln, die ähnlich
aussehen wie Kiwis, hatte es gleich einige dort. Vom Parkplatz
führte dann ein Spazierweg zu einer Plattform von der man
Pelzrobben beobachten konnte. Das war extrem interessant zu
sehen, wie sie im Wasser schwammen und wieder auf die Felsen
hochkletterten und wie die Kleinen auf den Felsen spielten. Die
waren ja sooo süss!!! Wir blieben dort bis zum
wunderschönen Sonnenuntergang.
Da wir beschlossen, nochmals eine Nacht auf dem
selben Zeltplatz zu bleiben, konnten wir am Sonntag unser Zelt
nochmals stehen lassen. Wir fuhren alle zusammen im Lutz nach
Kohaihai bei Karamea. Die Strasse war sehr schön. Sie war
dafür sehr kurvenreich und führte hoch oben durch den
Karamea Bluff, einem hohen Steilhang, von wo man teilweise eine
recht eindrückliche Aussicht hatte. Von Kohaihai, dem einen
Ende des Heaphy-Track, der in 3-5 Tagen in die Golden Bay
führt, wanderten wir zu einem etwa eineinhalb Stunden
entfernten Strand. Der Wanderweg war wunderschön und
führte durch einen Wald, der vor allem aus Farnbäumen
und Rata, einem rotblühenden Baum, bestand. Auch
überquerten wir zum ersten Mal eine neuseeländische
Hängebrücke. Zurück beim Parkplatz fanden wir
einen freien Picknicktisch zum lunchen und fuhren danach wieder
zurück nach Westport. Ausser einem Kaffeehalt in Karamea,
hielten wir noch um zum Lake Hanlon zu spazieren. Beim Parkplatz
versprach ein Schild eine Marschzeit von 10 Minuten. Nach 10
Minuten war jedoch noch weit und breit kein See zu sehen. Und
selbst als wir den See dann doch noch gefunden hatten, konnten
wir den See beinahe nicht sehen, weil das Ufer so
überwachsen war. Da müsste man mal jemanden zum Holzen
vorbeischicken… Nach dem Abendessen, fanden wir dann
endlich die Zeit, einmal noch den Strand von Carter's Beach
anzusehen, der aus ganz feinem, schwarzen Sand besteht. Das Bild
des romantischen, farbenfrohen Sonnenunterganges wurde eigentlich
nur durch die Zementfabrik der Holcim am Horizont
getrübt.