Am Dienstagmorgen besorgten wir uns im Warehouse
als erstes einmal das Mittel, das das Leck im Kühler etwas
dichten sollte und etwas Motorenöl. So sind wir wieder
eingedeckt für die nächste Zeit mit Lutz. Die
Weiterreise führte uns nach Havelock, wo es in einer
gemütlichen Bäckerei einen Kaffeehalt gab. Weiter gings
über einen kurvenreichen Pass nach Nelson. Kurz vor Nelson
wurde Nicole ein zweites Mal geboren. Als Didi einen langen
Laster überholte, sah Nicole, dass ein anderer Laster
entgegen kam, und weil Didi den Lastwagen schon zur Hälfte
überholt hatte und somit kein Entrinnen war, konnte sie nur
noch in Todesangst ein überraschend ruhiges, rationales und
gefasstes "Du Schatz, do chonnt eine, das längt em Fall
nöm!" hervorbringen. Sie war darauf überaus
erleichtert, als sie feststellte, dass soeben eine
Überholspur begonnen hatte und somit der andere Lastwagen
auf der Gegenspur genügend Platz hatte um sicher an uns
vorbei zu fahren. Bis Nelson konnte sie nicht mehr anders als
nervös kichern und sich darüber freuen, dass sie noch
lebt. Lange blieben wir in Nelson nicht, sondern fuhren gleich
weiter nach Marahau, wo wir im Abel Tasman Marahau Beach Camp
für zwei Nächte reserviert hatten. Am späteren
Nachmittag, nachdem wir noch das Dichtungsmittel in Lutz'
Kühler geschüttet hatten, nahmen wir dann alle im Lutz
Platz und wir fuhren über den hohen und kurvenreichen Takaka
Hill nach Takaka zu den Waihoro Pupu Springs. Von der Aussicht,
die man vom Takaka Hill gehabt hätte, sahen wir allerdings
nicht viel, da es so dichten Nebel hatte, dass man zeitweise nur
einige Meter weit sah, womit die Strecke sehr mühsam zu
fahren war. Trotzdem es zu regnen begonnen hatte, spazierten wir
zu den Pupu Springs, die die grössten Süsswasserquellen
des Landes sind. Es ist schon sehr eindrücklich zu sehen,
wie ein ganzer Fluss aus dem Boden entspringt. Interessant war
auch der Waldlehrpfad, der uns lehrte, in welchen Stadien eine
gerodete Fläche wieder zu neuseeländischem Urwald
wächst.
Für den Mittwochmorgen hatten wir
Plätze in einem Wassertaxi reserviert, das uns in die Bark
Bay des Abel Tasman National Park bringen sollte. Wir wurden
direkt beim Campingplatz abgeholt, wo wir schon im Boot Platz
nehmen konnten, das auf einem von einem Traktor gezogenen
Anhänger war. Der Traktor lud das Boot dann direkt am Strand
ab, wo noch etwa ein halbes duzend weitere Traktore ihre Boote
ins Wasser liessen. Wir stellten bald fest, dass die Fahrt sehr
rasant werden würde, was aber sehr spassig war. Auf dem Weg
zu der Bark Bay fuhren wir noch zu einer interessanten
Felsformation, die aus einer gespaltenen Felskugel bestand. Kurz
vor der Bark Bay fuhren wir noch um einige Felsen, die voller
Seehunde und Vögel war. In der Bark Bay fuhr das Taxi so
nahe an den Strand wie möglich, allerdings mussten wir
trotzdem unsere Schuhe ausziehen, um nicht nasse Füsse zu
kriegen. Bark Bay ist eine wunderschöne Bucht mit
Sandstrand. Von dort wanderten wir auf dem Abel Tasman Costal
Track durch einen beeindruckenden Farnwald und über eine
wacklige Hängebrücke an schönen Aussichtspunkten
vorbei zu den wunderschönen Sandstränden der Torrent
Bay und Anchorage Bay. In der Anchorage Bay genossen wir das
entspannende Bad im schön warmen Meer, bevor wir vom
Wassertaxi wieder abgeholt wurden. Diese Wanderung war wirklich
wunderschön und ein besonderes Erlebnis. Am Abend spazierten
wir dann noch zu einem Café. Unterwegs sahen wir noch
einige Pukekos, eine flugunfähige Vogelart, und wir
besuchten auch eine Maori-Kunstgalerie, wo man wirklich
wunderschöne Objekte kaufen könnte, die aber auch ihren
Preis hatten.
Donnerstag war für unsere Eltern bereits
der letzte ganze Tag auf der Südinsel (wir werden ja
nochmals zurückkommen). Wiederum machten wir in Havelock zum
Café ab. Unsere Eltern mussten allerdings lange auf uns
warten. Weil die Passstrasse von Nelson nach Havelock
stückweise neu mit Rollsplitt versehen worden war, spickte
uns ein anderes Auto einen Stein so auf die Windschutzscheibe,
dass sie gleich in tausend Stücke zersprang, ohne dass auch
nur ein einziges Stück herausgefallen wäre
(Sicherheitsglas halt). Als wir dann anhielten, um den Schaden zu
beurteilen, trafen wir auf einen Radfahrer, der sich auch
über den Rollsplit aufregte, der seinem teuren Fahrrad schon
diverse irreparable Schäden zugefügt hatte. Er gab uns
dann einige Tipps was wir machen sollten, aber bevor wir
überhaupt irgendetwas anfangen konnten, waren auch schon
zwei deutsche Radfahrer da, die sich gleich so um unser Auto
bemühten, als wäre es ihr eigenes. Sie brachen
kurzerhand die Scheibe so vehement heraus, dass beide einige
blutige Kratzer abbekamen. Wir konnten nur noch mit einem
Plastikplane versuchen, möglichst viele Glassplitter daran
zu hindern, es sich im Lutzinneren gemütlich zu machen. Das
Glas liessen wir schliesslich am Strassenrand liegen und machten
uns halt ohne Windschutzscheibe auf die Weiterreise. Rund
50 km/h konnten wir problemlos fahren, aber schneller ging
nicht. Das Mobiltelefonnetz deckt diesen Pass leider noch nicht
ab, so konnten wir nicht einmal unsere Eltern informieren, die
sich in Havelock bereits schon Sorgen machten. Eine halbe Stunde
vom Unfallort entfernt winkte uns eine Familie auf einen
Parkplatz. Sie hatten uns überholt und gesehen, dass wir
keine Windschutzscheibe hatten. Sie gaben uns eine
künstliche Windschutzscheibe, die aus einem durchsichtigen
Plastik und Klebband bestand, die sie schon seit über 10
Jahren im Auto hatten, und sich schon oft gefragt hatten, ob sie
die überhaupt je brauchen könnten. Darüber waren
wir wirklich froh, denn so konnten wir doch wieder gut
80 km/h fahren. Für eine halbe Stunde ging das ganz
gut. Als uns dann aber ein grosser Laster entgegenkam, hielt der
Plastik den Druck nicht aus und flatterte uns plötzlich um
die Ohren (das ist was für den Adrenalinspiegel!). Wir
versuchten zwar, das Ganze noch zu retten, aber ein zweiter
Laster zerstörte den Plastik noch ganz, noch während
wir ihn wieder anzukleben versuchten. Nachher funktionierte zum
Glück dann das Mobiltelefon bald wieder, so konnten wir
unsere Eltern informieren und ihnen den Auftrag geben,
Telefonnummern von Garagen herauszufinden, die uns eine neue
Windschutzscheibe installieren könnten. Herzlichen Dank
nochmals an alle, die uns in dieser Sache irgendwie geholfen
haben. Als wir dann in Havelock ankamen, hatten sie schon eine
Stunde auf uns gewartet. So fuhren sie dann gleich weiter nach
Picton, wo wir sie am Abend im Blue Anchor Top 10 Holiday Park
wieder treffen würden. Auf der Südinsel konnten wir
leider keine Garage finden, die an diesem Tag noch Zeit für
uns gehabt hätte, so organsierten wir halt eine Garage in
Wellington. Nach einer feinen Pizza machten auch wir uns dann auf
den Weg nach Picton über die wunderschöne Strasse dem
Queen Charlotte Sound entlang. Das einzige Problem waren die
vielen Bienen, die nun nicht von der Windschutzscheibe gestoppt
wurden, so wurde Didi ein zweites Mal von einer
neuseeländischen Biene gestochen, worauf er dann ein
bisschen vorsichtiger fuhr. Auf dem Campingplatz in Picton trafen
wir unsere Eltern. Währenddem sie noch etwas die Stadt
besichtigen gingen, kochten wir Abendessen. Nachher erholten wir
uns noch im luxuriösen Spa des Holiday Parks.