Am Mittwoch war so wunderschönes Wetter,
dass wir beschlossen, etwas im Garten zu arbeiten. Zwar ist der
Garten nicht allzu gross und auf allen Seiten von riesigen Hecken
umschlossen, aber Unkraut gibt es leider immer wieder.
Während Nicole etwas jätete, wischte Didi alle
Blätter auf unserem Parkplatz zusammen. Nach dem Arbeiten
hatten wir uns ein feines Znacht verdient, und wir fuhren nach
Downtown Auckland, wo wir wieder einmal zum mongolischen Grill
gingen. Es schien, dass wir dort einen bleibenden Eindruck
hinterlassen hatten, denn der Chef hat uns wieder erkannt, obwohl
seit unserem letzten Besuch mehr als zwei Monate vergangen waren.
Entweder ist mongolisches Essen gut für's
Gedächtnis, oder er fragt alle, ob sie nicht schon einmal da
waren… Der Chef war aber sowieso sehr zuvorkommend, und
als wir vom Zubereiten des Essens ein Foto machen wollte, durfte
Didi die überdimensionalen Essstäbchen selber in die
Hand nehmen und das Essen auf dem Grill hin- und herbewegen. Wie
immer in diesem Restaurant haben wir viel zu viel gegessen, aber
es ist halt so gut, und man kann so viel Essen wie man will, ohne
mehr bezahlen zu müssen…
Am späten Donnerstagabend rief dann Nicole ihre Gastmutter in Cleveland an, die an diesem Tag Geburtstag hatte. Sharon freute sich wahnsinnig darüber und konnte es kaum fassen, dass sie Nicole am Telefon hatte. Am Freitagabend wollten wir wieder einmal ins Kino gehen und beschlossen, dem Film "Lost in Translation" mit Bill Murray eine Chance zu geben. Die Regisseurin Sofia Coppola hat für das Drehbuch einen Oskar erhalten, und so waren wir gespannt, ob der Film auch hält, was er verspricht. Wir waren dann aber sehr enttäuscht und fanden den Film streckenweise sehr langweilig; und er war auch nicht sehr witzig und die selbe Pointe wurde zig-fach wiederholt: "Ha, ha, Japaner sind klein und ihre Sprache versteht man nicht!" Wier hegen den Verdacht, dass die Regiesseurin ein bisschen Promotionshilfe von ihrem berühmten Vater Francis Ford Coppola erhalten hat; denn einfach so können wir uns nicht erklären, wie sie sich den Oskar verdient hat.
Am Samstag war wiederum wunderschönes
Wetter, so beschlossen wir für die Trainingseinheit dieses
Tages in den Cornwall Park zu fahren und auf den One Tree Hill
hochzurennen. Es war wirklich wunderschön, endlich wieder
einmal über Wiesen und zwischen Bäumen durchrennen zu
können und nicht auf einem Trottoir den Häusern
entlang. Die Aussicht vom Gipfel war übrigens sagenhaft und
man sah ziemlich weit! Auf dem Heimweg konnte dann Lutz ein ganz
spezielles Jubiläum feiern. Kurz vor dem wir wieder zu Hause
waren, fuhr er seinen sage und schreibe
222'222. Kilometer!
Am Sonntag wurde unser Training das erste Mal auf
die Probe gestellt. Nicole hatte über das Internet
herausgefunden, dass im Woodhill Forest, etwa eine halbe Stunde
nordwestlich von Auckland, ein OL stattfinden würde. Vom
Eingang des Waldes her war der Anlass ausgeflagt. Nachdem wir
zuerst bei einer Gruppe Mountain-Biker und einigen
Pferdesportlern vorbeikamen, kamen wir schliesslich nach weiteren
fünf Minuten durch den aufgeforsteten Föhrenwald bei
den Orienterungsläufern an, die ihren Wettkampf auf der
Karte mit dem interessant klingenden Namen "Spaghetti
Soup" austrugen. Wir stellten bald fest, dass die
Orientierungsläufer in Neuseeland nicht viel anders sind als
diejenigen in der Schweiz, und sowohl Kleidung, wie auch
Anmeldungsprozedere genau das selbe war, mit einem kleinen
Unterschied, dass man beim Anmelden für weitere 2$ Startgeld
noch eine Art Los kaufen konnte, mit dem man beim Rangverlesen
noch einen Preis gewinnen konnte. Während Nicole in der
Kategorie Women Open am Skore-OL teilnahm, machte sich Didi auf
die mittelschwere Bahn, die ein normaler OL war. Der Skore-OL ist
ein OL, bei dem man in einer bestimmten Zeit möglichst viele
Posten holen muss, die verschieden viele Punkte geben. Der Wald
war in manchen Teilen sehr gut belaufbar, und vor allem gab es
nirgends stachelige Brombeeren, wie man sie aus der Schweiz her
kennt. Dafür wächst hier eine Art
überdimensionales Gras, das ein bisschen wie Schilf
aussieht, und das ziemlich scharf schneiden kann, wie Didi
feststellen musste, der mit kurzen Hosen und ohne Stulpen
unterwegs war. Andere Teile waren eher dichter mit Bäumen
bewachsen, und die Sicht und das Vorwärtskommen waren nicht
mehr ganz so einfach, und das Finden der Posten auch etwas
schwieriger. Gleich nach dem Rennen war dann das Rangverlesen mit
der Verlosung. Alle Kategoriensieger erhielten einen Preis, und
dann wurden noch einige weitere Preise verlost. Der Veranstalter
schien gute Sponsoren zu haben, denn unter anderem konnte man
einige 50$ Gutscheine für ein Bikegeschäft oder
Campingstühle gewinnen. Leider gingen wir aber beide leer
aus. Weil es keine Hängerangliste hatte, wussten Nicole
ihren Rang gar nicht (Didis Strecke war eher ein Training und es
gab keine offizielle Rangliste davon). Erst am nächsten
Morgen erhielt sie ein SMS von ihren Eltern, in dem sie ihr zum
2. Rang gratulierten. Der Lauf war wirklich super und wir freuen
uns schon darauf, in zwei Wochen einen weiteren OL laufen zu
können.