Nach dem es am Sonntag eher regnerisch war,
hofften wir fest, dass sich die Sonne am Montag zeigen
würde, da wir einen Ausflug auf die Rangitoto Insel geplant
hatten. Diese vulkanische Insel im Golf von Hauraki ist praktisch
von überall in Auckland sichtbar und wir fanden, dass wir
sie auch einmal von Nahem sehen wollten. Die Insel ist
entstanden, als vor gut 600 Jahren ein Vulkan im Meer ausbrach.
Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein war die Insel fast
unbewachsen, aber allmählich wuchsen dann Flechten und
Moose. Als dann diese Flechten und Moose verrotteten entstand
Humus und es konnten richtige Pflanzen wachsen. Heute ist die
Insel in weiten Teilen bis auf einige erstarrte Lavaströme
bewachsen, und es gibt dort den grössten Pohutakawa-Wald der
Welt. Pohutukawa, auch genannt Christmas Tree, blüht jedes
Jahr an Weihnachten schön rot.
Der Tag fing schon mal gut an, als Nicole morgens
um Viertel nach fünf aus dem Bett fiel, weil sie das Kissen
suchte, das ihr Didi einige Momente zuvor unter dem Kopf
hervorgezogen hatte. Durch das Anzünden des
Nachttischlämplis wurde dann auch Didi geweckt, der
daraufhin so wach war, dass er gleich aufstand, Nicole die frohe
Botschaft überbrachte, dass es superschönes Wetter sei
und dann Griechisch lernte, bis Nicole schliesslich um sieben Uhr
auch aufstand. Zum ersten Mal fuhren wir dann mit dem Bus in die
Stadt, was sehr günstig und im Berufsverkehr auch ziemlich
schnell war. Wir waren dann noch etwas früh für die
Fähre nach Rangitoto, und so genossen wir noch ein bisschen
die schöne Morgensonne am Hafen von Auckland.
Über Devonport brachte uns dann die
Fähre nach Rangitoto. Dort angekommen studierten wir zuerst
einmal alle Informationsschilder und lächelten über den
Hinweis, man solle genau auf die Uhr schauen, da die letzte
Fähre am 15.45 Uhr fahre, und sonst werde man eine
unvergessliche Nacht auf der Insel verbringen. Nach einem kleinen
Abstecher durch ein kleines Mangroven-Wäldchen machten wir
uns an den Aufstieg zum Gipfel des erloschenen Vulkanes. Der Weg
führte uns über einen alten Lavastrom, und obwohl der
Weg sehr schön ausgebaut war, fanden wir das Wandern auf dem
vulkanischen Gestein eher unangenehm und hart! Die
unförmigen Lavabrocken, die man noch vom Lavastrom sah, sind
übrigens entstanden, weil der Lavastrom auf der
Oberfläche bereits abkühlte, während er unten noch
weiterfloss. Dadurch wurde die schon harte Lava auf der
Oberfläche wieder auseinander gerissen, und es entstanden
unregelmässige Brocken.
Kurz vor dem Gipfel gab es dann weniger alte
Lavaströme und im Wald sah es fast ein bisschen aus wie im
Tessin, einfach ohne Kastanien und Stechpalmen… Dort
zweigte dann noch ein kleiner Pfad vom Hauptwanderweg ab, der zu
Lavahöhlen führte. Auch diese sind dadurch entstanden,
dass die Lava auf der Oberfläche bereits abkühlte,
während sie unten noch floss. Nachdem die heisse Lava sich
an der Oberfläche gehärtet hatte, zog sich die noch
flüssige Lava darunter wieder zurück, und die die
Höhlen entstanden. Leider hatten wir keine Taschenlampe
dabei, so konnten wir nur so weit hinein, wie es das Licht
zuliess.
Auf dem Gipfel angekommen, bot sich uns ein
toller Blick in den bewachsenen Krater hinein, auf Auckland und
auf die Inseln im Golf von Hauraki. Ausserden gab es auf dem
Gipfel noch einen militärischen Beobachtungsposten aus dem
zweiten Weltkrieg zu sehen. Nach einem kleinen Picknick
spazierten wir noch um den Krater herum, bevor wir uns wieder an
den Abstieg machten. Etwa halb unten zweigte ein kleiner Weg ab,
und wir beschlossen, einen anderen Weg wieder zu der
Schiffsanlegestelle zurück zu nehmen. Der Weg war recht eng,
und es erschien uns, als wäre schon lange niemand mehr auf
diesem Weg gegangen, denn Nicole, die vorne war, zerstörte
einige Spinnenfäden bis es ihr zu viel war und sie Didi
überholen liess. Der Weg führte über alte
Lavaströme, und unter anderem auch an einigen interessanten
Farnpflanzen vorbei, die nierenförmige Blätter hatten.
Als dann der Weg plötzlich wieder den Berg
hinaufführte, schauten wir einmal auf das kleine
Plänchen, das wir von der Fähre mitgenommen hatten. Wir
realisierten, dass dieser Weg nicht direkt zu der
Schiffsanlegestelle zurück führte, sondern noch einen
kleinen Umweg machte. Weil wir aber noch genügend Zeit
hatten bis die Fähre um 15.45 Uhr fahren würde,
beschlossen wir, auf diesem Weg weiter zu wandern, und Nicole
versicherte Didi, dass bald eine bessere Strasse kommen werde.
Diese liess aber auf sich warte,n und Didi fragte Nicole einige
Male, ob sie sich noch sicher sei, dass wir auf dem richtigen Weg
seien. Nach etwa einer halben Stunde auf diesem Pfad kamen wir
dann auf eine recht grosse Strasse und ein Schild sagte uns, dass
es noch 30 Minuten bis zur McKenzie Bay gehe. Wir rechneten aus,
das wir von dort noch etwa eine Stunde dem Meer entlang bis zur
Schiffsanlegestelle haben würden und freuten uns darauf,
dass wir dann noch etwas lesen konnten, bis die Fähre fahren
würde. Die Wanderung dieser Strasse entlang fanden wir dann
nicht mehr so interessant, und die Landschaft war auch nicht sehr
abwechslungsreich, irgendeinmal hat man einfach genug erkaltete
Lava gesehen… Wir rechneten damit, dass wir vor Ablauf der
30 Minuten am Meer sein würden, da die Angaben auf
Wanderwegschilder normalerweise eher gut berechnet sind, und wir
waren dann sehr überrascht, als wir geschlagene 40 Minuten
brauchten. Als wir etwa um 13.50 Uhr am Meer ankamen, schoss
Nicole ein paar Fotos, während Didi sich schon mal auf den
Weg zum Wegweiser machte. Nicole glaubte zuerst an einen sehr
schlechten Scherz, als ihr Didi zurief, dass am Wegweiser stehe,
man brauche zweieinhalb Stunden um zurück zu der
Schiffsanlegestelle zu wandern. Man rechne…
Wir konnten es kaum glauben, da auf dem kleinen
Kärtli die Strecke überhaupt nicht so lange aussah, und
wir schworen uns nie mehr wandern zu gehen, ohne uns vorher genau
zu erkundigen, und uns nicht auf ungenaue Karten zu verlassen.
Wohl oder übel mussten wir unser Wandertempo steigern wenn
wir noch auf die Fähre wollten, und wir beschlossen, wenn
nötig die letzte halbe Stunde noch zu rennen, denn die
Vorstellung, eine ganze Nacht auf dieser Insel ohne Proviant zu
verbringen, gefiel uns nicht besonders. Wortlos stressten wir
also über diese Strasse, die übrigens extrem hart war
durch das Vulkanische Gestein; die Füsse schmerzten uns
beiden schon eine Weile, und dass sich Blasen bilden würden,
merkten wir auch bald. Es ist ja aber bekannt, dass man in
Stresssituationen zu Höchstleistungen fähig ist, so
konnten wir unser schnelles Tempo beibehalten. Es war
schrecklich, wir hatte weder eine Ahnung, wie weit wir schon
gingen, noch konnten wir uns auf die kleine Karte verlassen, da
dort die Küste extrem ungenau eingezeichnet war. Dazu kam
noch, dass die Landschaft überall mehr oder weniger gleich
aussah und am Vulkankegel konnten wir uns auch nicht orientieren,
da der auch von allen Seiten recht ähnlich aussah. Als wir
etwa eine halbe Stunde marschiert waren, was uns schon wie eine
halbe Ewigkeit vorgekommen war, kamen wir an einen kleinen
Wegweiser, der die Zeit zum "Flax Point" mit 10 Minuten
angab. Unser Herz machte einen kleinen Freudensprung, als wir auf
unserem kleinen Kärtli sahen, dass dieser Punkt ganz in der
Nähe der Schiffsanlegestelle war. Die erste Freude wich aber
bald, als uns unser rationelles Denke ermahnte, wie ungenau die
Karte sei, und dass wir eine Strecke von fast zweieinhalb Stunden
ja unmöglich schon in 30 Minuten bewältigt haben
können. Etwas ernüchtert aber mit neuen Hoffnungen,
dass wir vielleicht doch nicht zwei Stunden im Eiltempo wandern
müssten, machten wir uns auf den Weitermarsch. Nur kurz
darauf sahen wir einen weiteren Wegweiser. Und darauf stand
tatsächlich "Rangitoto Wharf - 15 Minuten". Ihr
könnt euch ja vorstellen, wie erleichtert wir waren! Die
restliche Viertelstunde nahmen wir dann gaaaaanz gemütlich
und wir waren ziemlich verwirrt, dass wir sage und schreibe eine
ganze Stunde vor Abfahrt der Fähre an der Anlegestelle
ankamen. Die zweieinhalb Stunden haben wir tatsächlich in 50
Minuten zurück gelegt, unser Training scheint sich
auszubezahlen… ;-) Wir waren froh, unsere Wanderung
doch recht eingeschätzt zu haben und können uns nicht
recht vorstellen, wer zweieinhalb Stunden für die Strecke
brauchen soll, denn auch mit normalen Wandern hätten wir
niemals so lange gebraucht!
Wir genossen es, das wir nun doch noch etwas
Zeit zum Lesen hatten und nach und nach trafen auch die anderen
Touristen bei der Anlegestelle ein; allerdings nur eine Handvoll,
die Touristensaison ist schon lange vorbei. Nicole testete
übrigens noch die Bänke in der Umkleidekabine neben den
Toiletten aus, es wäre eine sehr harte Nacht
geworden… Allerdings hätten wir das Natel dabeigehabt
und auf der Rangitoto Insel hat man Empfang; so hätten wir
auch noch ein Wassertaxi bestellen können, jedoch hatten wir
eigentlich beide immer daran geglaubt, dass wir es noch auf die
Fähre schaffen würde, wir hatten einfach damit
gerechnet, dass es am Schluss sehr eng würde.
Zurück in Auckland spazierten wir dann trotz schmerzenden Füssen und einigen Blasen bis zum Aotea Square, wo wir in einen Bus einstiegen, der in unsere Richtung fuhr. Wir waren allerdings nicht ganz sicher, ob er bei unserer Haltestelle auch anhalten würden, und tatsächlich fuhr er daran vorbei. So mussten wir am Schluss noch etwa 10 Minuten zusätzlich wandern, bevor wir dann endlich unserer müden Glieder in der Badewanne erholen konnten.