Weil das Wetter am Mittwoch ziemlich gut aussah,
beschlossen wir nach Piha zu fahren. Dieser Strand, der westlich
von Auckland liegt, ist bekannt als Surfstrand und
berüchtigt für die gefährlichen Strömungen im
Meer, die jedes Jahr einigen Schwimmern und Surfern das Leben
kosten. Im Fernsehen gibt es sogar die Sendung "Piha
Rescue", in der man sehen kann, wie die Schwimmer und Surfer
gerettet werden. Zu dieser Jahreszeit ist jedoch nicht allzu viel
los am Strand, und deshalb schauten wir uns nur kurz um und
fuhren dann wieder etwas aus der Ortschaft heraus, um zu den
Kitekite Falls zu spazieren.
Bevor wir
aber Piha verliessen, hielten wir noch bei einem Aussichtspunkt
an, wo wir die recht beeindruckende Aussicht auf den Strand mit
dem Lions Rock genossen, der für die Māori von grosser
Bedeutung war, und dessen Form entfernt an einen liegenden
Löwen erinnert. Ein bisschen ausserhalb von Piha fanden wir
dann einen Parkplatz, von dem ein Weg zu den Kitekite Falls
führte. Wir erwarteten, dass wir auf einem Rundwanderweg
unten bei diesem Wasserfall vorbeikommen würden und waren
dann sehr überrascht, als wir uns plötzlich oberhalb
des mehrstufigen, recht hohen Wasserfall befanden, und nur noch
ein kleiner Wanderweg weiter führte. Dieser Weg war ziemlich
ausgesetzt und auch recht glitschig, so dass Nicole
buchstäblich weiche Knie bekam und wegen ihrer
Höhenangst nicht mehr weiter konnte. So spazierten wir zum
Lutz zurück und beschlossen, noch den Rundwanderweg zu
suchen, der für Nicole kein Problem sein sollte. So fuhren
wir dann nochmals nach Piha zurück und fanden den Anfang des
Wanderweges sehr schnell. Der zweite Spaziergang des Tages hat
sich dann gelohnt: der Wasserfall fiel in mehreren Kaskaden ins
Tal hinunter und war wirklich sehr schön zum Anschauen. Im
Sommer könnte man im Becken sogar baden! Auf dem
Rückweg nach Auckland hielten wir dann noch in Titirangi an,
wo wir eine deutsche Konditorei fanden. Am Abend gab es dann den
geräucherten Kingfish zusammen mit Gschwellti, mmmmh war das
gut…
Am Donnerstag fuhren wir nochmals in die Outlet
Mall nach Onehunga, wo wir aber nichts fanden, das wir brauchten.
Zum Znacht beschlossen wir nochmals in ein indisches Restaurant
in Downtown Auckland zu gehen, wo wir wiederum ausgezeichnete
Gerichte geniessen konnten. Vorher waren wir aber noch im Kino,
wo wir den sehr empfehlenswerten Film Eternal Sunshine of the
Spotless Mind mit Jim Carrey und Kate Winslet in den
Hauptrollen sahen. Die Geschichte des Filmes ist auf eine sehr
interessante Weise erzählt, und der Film regt einen sicher
zum Nachdenken an!
Am Freitag war das Wetter nicht allzu gut, aber
trotzdem fuhren wir nach Miranda, etwa eine Stunde südlich
von Auckland, wo wir Vögel beobachten wollten. Die Reise
dorthin, die uns der Küste entlang führte, war sehr
schön, und wir konnten riesige Vogelschwärme sehen, die
das Watt nördlich von Miranda bevölkern. In Miranda
selber wurden wir dann leider enttäuscht: das Visitor Center
war leider geschlossen, und gerade als wir dort ankamen, fing es
an zu regnen. Trotzdem beschlossen wir, zu einem kleinen
Unterstand zu spazieren, wo man Vögel beobachten kann. Der
relativ kurze Weg dorthin, führte uns unter anderem an einem
Mangroven-Sumpf vorbei, wo wir Dutzende von kleinen Krabben
beobachten konnten, die sich aber jeweils schnell im Wasser
versteckten, wenn wir uns näherten. Das
Vogelbeobachtungshäuschen war dann aber eine weitere
Enttäuschung. Der ganze Boden war ein riesiger Teich, so
dass wir nicht einmal hineinkonnten. Vögel hatte es dort
auch nur vereinzelte, und so gingen wir gleich wieder zum Lutz
zurück und fuhren wieder nach Auckand, wo wir noch etwas
shoppen gingen. Am Abend waren wieder einmal Craigs Kinder, Henry
und Isabella, im Haus, das sie das verlängerte Wochenende in
Auckland verbrachten. Jeweils am ersten Montag im Juni wird der
Geburtstag der Queen gefeiert und ist deshalb ein Feiertag.
Am Samstag stand für Nicole die erste Etappe
des Queen's Birthday 3-Day Orienteering Event auf dem
Programm. Didi hatte sich nicht dafür angemeldet, und so
fuhr Nicole alleine nach Waiuku, etwa eine Stunde
südwestlich von Auckland. Sie musste feststellen, dass man
in Neuseeland als Orientierungsläufer wohl besser ein Auto
mit Vierradantrieb hätte, denn kurz vor dem Parkplatz musste
sie einen glitschigen Feldweg hochfahren, der so steil war, dass
Lutz mitten drin nicht mehr weiterfahren wollte, denn die
Räder drehten durch. Die darauf folgenden Anfahrversuche
nützten nichts, und schliesslich hatte der
Parkplatzeinweiser erbarmen und bot Nicole an, den Lutz
hochzufahren, denn er kenne sich aus mit Vans. Er brachte dann
den Lutz ohne grosse Probleme auf den Parkplatz hoch, und Nicole
hoffte einfach fest, dass sie dann auch ohne Probleme wieder
hinunterfahren könne. Die erste Etappe des drei-Tage-OLs
fand auf Farmgebiet in Küstennähe auf der Karte
"Kelland Road" statt. Der Lauf war etwa so, wie ein
Lauf in der Schweizer Alpen oberhalb der Baumgrenze, einfach ohne
Steine und Felsen, dafür mit wunderschöner Aussicht auf
das Meer und die Küste (die Kühe und Kuhtrampelwege
fehlten auch nicht). Das Gebiet war recht hügelig, mit
vielen Kuppen und Senken und zum rennen ziemlich schnell, aber
weil es viele kleine Täler hatte, war es recht anstrengend
und ermüdend und vergleichbar mit den Gräben und
Tälern im Emmental. Nicole startete in der Kategorie W21A
(etwa vergleichbar mit DA in der Schweiz) und stellte vor allem
gegen Ende ihres Laufes fest, dass sie schon lange nicht mehr so
lange gelaufen war. Einige kleine Fehler kosteten zusätzlich
etwas Zeit, so dass sie schliesslich auf den dritten Rang lief
von nur vier Teilnehmerinnen. Beim letzten Posten fing es heftig
an zu regnen, so dass Nicole nach ihrem Lauf nicht mehr lange
blieb und froh war, dass sie ohne Probleme vom
Wettkampfgelände wegfahren konnte. Hätte sie noch etwas
länger gewartet, wäre es wohl noch schlammiger
geworden, und Lutz wäre allenfalls nicht mehr weggekommen.
Ob sie alle Posten richtig hatte, wusste sie übrigens nicht,
denn als sie ins Ziel kam, war das Sportidentsystem
zusammengebrochen, und es wurde ihr erklärt, dass sie erst
am nächsten Morgen auslesen könne. Auf dem Rückweg
nach Auckland besorgte Nicole dann noch einige Parisette und
etwas Weisswein, denn am Abend bereiteten wir das Fondue zu, dass
Didi von seinen Eltern zum Geburtstag erhalten hatte. Ein
Fondueset hatten Craig und Chelsea zwar nicht, aber es
funktionierte dann auch in einer normalen Pfanne ohne Rechaud.
Vor allem Henry freute sich sehr über das Fondue, denn als
Asterix-Fan kannte er natürlich "Asterix bei den
Helvetiern" und fragte schon im Voraus, ob wir dann auch
eine Orgie hätten, eine Toga tragen müssten und
für verlorene Brotstücke in einem See versenkt
würden. Er war dann beruhigt, als ihm Nicole erklärte,
dass er einfach ein Lied singen müsse. Nach dem Znacht
überraschte Nicole noch ihr Grossmami, als sie ihm
telefonisch zum Geburtstag gratulierte…
Am Sonntag kam dann Didi auch mit an den OL, und
Nicole war froh, dass er dieses Mal den Lutz fuhr, denn die
Anfahrt war wieder sehr schlammig. Die zweite Etappe fand auf der
Karte "Otakanini Coastal" im Woodhill Forest, der sich
nordwestlich von Auckland befindet, statt, und für Nicole
war es einer der schönsten Läufe, an denen sie je
gewesen ist. Die Karte bestand aus einem schmalen Streifen Wald
an der Küste, und einige Posten wurden sogar auf mit gras-
und kleinen Büschen bewachsene Sanddünen gesetzt. Im
Wald war es recht gut belaufbar, und weil es dort sehr flach ist,
musste man sehr gut aufpassen, dass man die Richtung beibehielt
und bei der richtigen Senke oder der richtigen Kuppe suchte. Es
war also recht anspruchsvoll, was Nicole sehr gut gefiel. Zudem
spielte das Wetter gut mit, und man konnte das Meer ständig
sehen oder hören. Nicht nur OL auf Sanddünen war neu
für Nicole, speziell fand sie auch, dass schwarze Kreuze auf
der Karte nicht wie in der Schweiz Wurzelstöcke darstellten,
sondern alte Marihuana Anpflanzstellen, bei denen man noch
Plastik und Stecken sehen konnte. Marihuana Pflanzen selber waren
aber keine mehr zu finden, das hätte ja wohl auch gegen
jegliche Dopingregel verstossen… Der Lauf gelang ihr sehr
gut und sie machte praktisch keine Fehler, was ihr schliesslich
zum zweiten Rang reichte. Während Nicole im Wald war schaute
Didi den neuseeländischen und australischen Eliteläufer
und -läuferinnen zu, die an diesem 3-Tage OL einen
Länderkampf austrugen. Einige Aufregung entstand am Ziel als
zwei Motocross-Töffs mit Höllentempo aus dem Wald in
die Zielgerade einbogen. Nur dank dem geistesgegenwärtigen
Eingreifen von zwei Funktionären konnten die beiden
Töfffahrer daran gehindert werden, den Läufern im
Schlussspurt entgegenzurasen. Nach dem Lauf, mit dem Nicole
deutlich besser zufrieden war, als mit jenem vom Vortag, fuhren
wir nach Parakai, wo wir uns im Thermalbad erholen wollten. Das
Bad war allerdings nicht so schön und vielfältig wie
dasjenige von Waiwera, so blieben wir nicht allzu lange dort.
Die letzte Etappe des 3-Tage OLs fand dann am
Montag auf der Karte "Hobbit Woods" auch im Woodhill
Forest statt. Das Gelände und auch die Karte waren
derjenigen vom Sonntag recht ähnlich, aber der Lauf war
einiges schwieriger als die zweite Etappe, wie Nicole bald
feststellte. Noch mehr als am Sonntag waren Posten in den
Sanddünen gesetzt, die sich alle extrem glichen, und die
Sichtbarkeit war viel schlechter, was die Orientierung sehr
schwierig machte. Es kommt selten vor, dass Nicole nicht mehr
weiss, wo auf der Karte sie steht, aber an diesem Lauf war sie
gleich dreimal ziemlich ratlos und musste sich neu auffangen, was
jeweils Zeit kostete. Im Ziel stellte sie dann aber fest, dass
sie wohl nicht die einzige war, die Fehler machte, denn ihr
Rückstand auf die Siegerin war nicht so gross, wie zuerst
erwartet, und es reichte ihr sogar auf den zweiten Rang der
Gesamtwertung. Nach dem Lauf schaute sie noch ein wenig den
Eliteläufern zu, bis es klar war, dass die Kiwis die Aussies
geschlagen hatten. Weil es dann stark zu regnen begann, machte
sie sich wieder auf den Weg zurück nach Auckland. Nachdem
sie sich ein wenig ausgeruht hatte, gingen wir noch zum letzten
Mal gross einkaufen, denn wir hofften immer noch, am Dienstag
Lutz verkaufen zu können, und so mussten wir unseren
fahrbaren Untersatz noch ausnützen. Auch mussten wir noch
Lutz putzen gehen, den man vor lauter Dreck nach diesen drei
Tagen OL kaum mehr wiedererkannte…
Weil wir am Dienstagmorgen noch immer keine
weiteren Anfragen wegen Lutz hatten, beschlossen wir zu der Post
zu spazieren, um dort eine weitere Registration für drei
Monate machen zu lassen, weil die alte an diesem Tag abgelaufen
war, und wir fanden es etwas riskant, in Auckland keine
Registration zu haben. Auf dem Heimweg gingen wir dann noch
einmal zu der deutschen Bäckerei, wo wir uns ein feines
Gipfeli zum Zmorgen gönnten. Kurz darauf stellte Nicole
fest, dass sie eine SMS erhalten hat, und da erkundigte sich doch
tatsächlich jemand wegen Lutz! Wieder zu Hause rief Didi
gleich die Nummer an und vereinbarte mit dem Interessenten, dass
wir Lutz etwas später vorführen würden. Das hiess
für uns, dass wir in aller Eile noch schnell das
Gröbste herausstaubsaugen mussten und allen Abfall
entsorgen.
Frisch herausgeputzt fuhren wir daraufhin los,
in der Hoffnung, dass wir auf dem Rückweg zu Fuss sein
würden. Der "Interessent" stellte sich als zwei
brasilianische Studenten heraus, die gleich von Lutz begeistert
waren, denn sie brauchten ein so grosses Auto für ihr Hobby
Surfen. Auf der darauf folgenden Probefahrt zeigte sich Lutz von
seiner besten Seite, und nicht einmal die Lämpli leuchteten
auf. Wir machten die beiden Brasilianer zwar auf das Problem
aufmerksam, erklärten aber, dass es nicht weiter schlimm sei
(wir hatten uns ja schliesslich auch acht Monate lang damit
abgefunden). Auf einer Post holten wir uns schliesslich
Formulare, um den Verkauf offiziell zu machen, und so wechselte
Lutz für NZ$ 700 den Besitzer. Schliesslich
verabschiedeten wir uns von den beiden netten Brasilianer, und
gerade als sie abfahren wollte, leuchteten Lutz' Lämpli
wieder einmal auf. Naja, wenigstens konnte dann Didi den beiden
noch genau erklären, wie man sich in einer solchen Situation
verhalten muss: Gas geben! Der Abschied von Lutz war schon etwas
traurig, aber wenigstens wussten wir ihn ja in guten Händen.
Den Namen Lutz würde er übrigens leider nicht behalten,
wie uns die Neubesitzer gleich verrieten, da das der Name des
Chefs der beiden Brasilianer ist, und sie natürlich nicht
ständig an ihn erinnert werden wollten! Vom Verkauf des Lutz
beflügelt und das schöne Wetter geniessend, machten wir
uns dann zu Fuss auf den Weg zum Cornwall Park und One Tree Hill
auf, um dort noch einige Fotos von unserer Trainingsstrecke zu
schiessen. Recht hungrig kamen wir dort an und gingen deshalb
zuerst einmal ins Café. Wir hatten Glück, denn wir
waren fast die letzten Kunden, die noch eingelassen wurden und
kamen so in den Genuss von feinen Scones und heisse Schoggi und
Tee. Der Spaziergang auf den One Tree Hill war schliesslich
wunderschön. Das Wetter zeigte sich wirklich von der besten
Seite, und obwohl es eigentlich recht kalt war, konnte man sich
doch an der Sonne etwas wärmen. Am Abend machten wir uns
dann noch eine feine Pizza, und Didi half Chelsea bei allerlei
Computer-Problemen. Natürlich vergass er auch nicht, seiner
Schwester Vreni telefonisch zum Geburtstag zu
gratulieren…